Geheime aber teure Gaslieferungen

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Der vermutlich größte Gasskandal der Zweiten Republik

16. Februar 2026 – energie.gv.at (eine Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus) beantwortet die Frage: Woher kommt Österreichs Gas? "Die Gasversorgung Österreichs hat sich grundlegend verändert. Seit Beginn der Lieferungen im Jahr 1968 war Russland der bedeutendste Lieferant von Erdgas für Österreich. Infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine kam es ab 2022 zu Umbrüchen, die schlussendlich auch Österreich betroffen haben. Mit Ende des Jahres 2024 wurde der Transit von russischem Erdgas via Ukraine eingestellt und es gibt keine Importe mehr über diese Route nach Österreich.“ Dazu die folgende Infografik:

GasWege und Gaspreise

Die Infogrrafik informiert über die Transportwege des importierten Gases nach Österreich, nicht jedoch über die Herkunftsländer. Außer Norwegen lässt sich kein Ursprungsland erkennen. ethos.at hat am 25.1.2026 nachgefragt:

1. Woher bezieht Österreich seit 2025 Gas und zwar direkt und indirekt (viele Quellen berichten über Import von russischem Erdgas als LNG via Indien und China).

2. Wie hoch waren die Importkosten 2025 im Vergleich zu den Vorjahren?

3. Wie hoch ist der Anteil an LNG?

Die Antwort des BMWET (Team Bürgerservice) erfolgte am 16.2.2026:

Über die Herkunftsländer des nach Österreich importierten Erdgases liegen uns keine detaillierten Informationen vor. In der Energiebilanz der Statistik Austria wird dazu mitgeteilt, dass die Erdgasimporte „wegen Geheimhaltung nicht nach Staaten aufgetrennt“ sind (siehe statistik.at/statistiken/energie-und-umwelt; Tabellenblatt „Erdgas“, Zeile 599).

Grund für diese Geheimhaltung ist der § 19 Abs. 2 Bundesstatistikgesetz („Die Statistiken sind in solcher Weise zu veröffentlichen, dass ein Rückschluss auf Angaben über bestimmte oder bestimmbare Betroffene (§ 3 Z 14) ausgeschlossen werden kann.“). Die einzige, uns bekannte Statistik, die Aufschluss darüber gibt, aus/nach welchen Nachbarstaaten Gas nach/aus Österreich fließt, ist die Betriebsstatistik der E-Control (monatliche Erdgasbilanz, Tabellenblätter „ImEx_GWh“ und „ImEx_MioNm3“).

Sehr zeitnah verfügbar sind die physikalischen Gasflüsse aus/nach den Nachbarstaaten nach/aus Österreich im Data Monitor der AGGM Austrian Gas Grid Management AG.

Im Jahre 2025 bezog Österreich über die Pipeline via die Ukraine und die Slowakei kein Gas mehr aus Russland. Eine belastbare Aussage über die Herkunft des über Deutschland und Italien nach Österreich fließenden Gases und über den Anteil von Gas, das in Form von LNG in die EU gelangt, ist aufgrund der oben beschriebenen Datenlage nicht möglich. (ENDE Mitteilung BMWET)

Am 13. Februar publizierten Agenturen und Medien folgenden Bericht:

„Die EU hat im vergangenen Jahr Flüssigerdgas aus Russland im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro importiert. Das sind rund 3 Prozent weniger als 2024 (rund 7,6 Milliarden), wie aus Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Insgesamt wurde 2025 Flüssigerdgas (LNG; liquefied natural gas) im Wert von rund 46,0 Milliarden Euro importiert. Das meiste – für rund 24,2 Milliarden Euro – kam aus den USA.

Während die EU für fossile Energieträger wie Öl und Kohle schnell nach der russischen Invasion der Ukraine weitgehende Einfuhrverbote auf den Weg brachte, gab es wegen Abhängigkeiten lange keine Gassanktionen. Der Brennstoff kommt derzeit noch als Flüssigerdgas und durch die Pipeline „Turkstream“ aus Russland in die Staatengemeinschaft. Ab 2027 gilt aber ein vollständiges Importverbot für LNG aus Russland. Die Strafmaßnahme ist Teil eines im Oktober beschlossenen Sanktionspakets gegen Moskau.“ (ORF.at/Agenturen 13.2.2026)

ethos.at kommentiert: Demnach ist es der Behörde Eurostat nicht verboten, genaue Angaben über die Lieferanten von Flüssigas LNG zu machen, das – extrem teuer und umweltschädlich – nach Europa verschifft wird. Indessen darf das BMWET von der untergeordneten Behörde Statistik Austria nicht verlangen offenzulegen, wer die Lieferanten des Gases sind, das nach Österreich fließt. Die Geheimhaltung gemäß § 19 Abs. 2 Bundesstatistikgesetz ist nicht nachvollziehbar. Es handelt sich schließlich um keine personenbezogenen Daten, sondern um Fakten im öffentlichen und politischen Interesse.

11 Milliarden Mehrkosten für Gasimporte

Diese Problematik ist in Hinsicht auf das Transparenzgesetz von Interesse. Wesentlich spannender aber ist der vermutlich größte Gasskandal der Zweiten Republik, zu verantworten von der Energie-Umwelt-Klimaglückministerin Leonore Gewessler. Das BMWET überlieferte ethos.at die Statistik der Kosten für die Gas-Importe von 2014 bis 2024. Demnach lagen die Preise bei jährlich durchschnittlich 2,5 Milliarden Euro. 2021 sprang der Preis auf 4,1 Milliarden, und schaffte 2022 mehr als eine Verdoppelung auf 9,3 Milliarden! 2023 lag er immer noch bei 5 Milliarden Euro und normalisierte sich 2024 bei 2,8 Milliarden. Gerechnet auf den Durchschnittspreis 2014-2020 hat die Energie-Umwelt-Klimaglückpolitik der zuständigen Ministerin somit in nur drei Jahren Mehrkosten von rund 11 Milliarden Euro (in Worten: elf Milliarden Euro!!) verursacht.

Wenn man der Chronologie von ChatGPT folgt, so waren die Presisteigerungen eine Folge der Marktentwicklung (Energiepreis-Explosion 2022 infolge der globalen Energiekrise). Diese banale Erklärung kann einen Teil der Preissprünge bei den Stromkosten erklären (Merit Order, siehe wikipedia), nicht aber die Explosion der Gaspreise, denn: Österreich hat 2006 einen langfristigen Liefervertrag mit Russland abgeschlossen mit einer Laufzeit bis 2040 (!) Es wäre die Pflicht der damaligen Regierung (Kanzler Nehammer, Energieministerin Gewessler) gewesen, alles zu unternehmen, um auf Basis dieses Vertrages die Marktentwicklung in Österreich abzufedern. Genau das Gegenteil wurde damals unternommen. Im März 2022 jetteten Nehammer/Gewessler in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Kuwait, um „mittel- bis langfristig die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern“, so der Wortlaut der Regierungspropaganda, der verschweigt, dass damit die Abhängigkeit von Frackinggas und umweltschädlichen LNG-Lieferungen massiv erhöht wurde.

Und dafür benötigte die Ministerin externe Berater, die nochmals Kosten von rund 6 Millionen Euro verschlungen haben. (Quelle: oe24.at 25.9.2022)

Österreich hatte langfristige Gaslieferverträge mit Russland. Genauer Inhalt dieser Verträge laut ChatGPT:
Die langfristigen Erdgas-Lieferverträge zwischen Österreich (über die OMV) und Russland (über Gazprom Export) waren klassische langfristige Rohstoff-Lieferverträge mit klaren Bestimmungen zu Mengen, Laufzeit, Preisen und Pflichten, die einen Zeitraum von Jahrzehnten umspannen sollten. Sie sind aber nicht öffentlich vollständig einsehbar – viele Details sind vertraulich –, weshalb wir nur die bekannten und berichteten Inhalte zusammenfassen können.
Grundlegende Merkmale des Vertrags
1. Laufzeit und Verlängerung
Der ursprüngliche Vertrag zwischen der österreichischen OMV und Gazprom Export wurde 2006 abgeschlossen und sollte bis 2040 gelten.
In 2018 wurde er angepasst bzw. verlängert – nach Medienberichten hätte er ohne rechtzeitige Kündigung sogar bis 2045 laufen können.
2. Liefermengen
Vertragsgemäß sollte Russland jährlich rund 6 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Österreich liefern (das entspricht ca. 60 TWh pro Jahr).
Das waren insgesamt etwa 0,5 Mrd. m³ pro Monat – geliefert an der Grenze zwischen Österreich und der Slowakei.
3. Preisgestaltung
Details zu den genauen Preisen wurden nicht vollständig öffentlich gemacht. Allerdings gilt bei solchen langfristigen Pipeline-Gasverträgen üblicherweise Folgendes:
Indexierung der Preise: Traditionell war russisches Gas in Europa oft an Öl- und Ölproduktpreise gekoppelt (Ölpreis-Indexierung). Solche mechanischen Preisformeln garantierten Preiskomponenten über die Vertragslaufzeit hinweg.
Preisrevisionen: Medienberichte deuten an, dass im Vertrag 2018 Preisüberprüfungen für bestimmte Zeiträume (z. B. 2019–2028, 2029–2038, 2039–2040) vorgesehen waren. Ohne Einigung sollten Preise aus der Vorperiode weitergelten.
Take-or-Pay-Klauseln: Laut Aussagen eines OMV-Managers enthielt der Vertrag eine „take or pay“-Bestimmung – d. h. OMV musste zahlen, auch wenn sie das Gas nicht physisch abnahm, solange gewisse vertragliche Voraussetzungen erfüllt waren.
Solche Klauseln sind bei langfristigen Energieverträgen üblich, um dem Lieferanten Einnahmensicherheit zu geben und dem Abnehmer verlässliche Liefermengen zu sichern.
4. Pflichten und Vertragsverletzungen
Der Vertrag sah verpflichtende Liefermengen und Lieferorte vor.
Gazprom geriet mehrfach in Konflikt, weil Liefermengen 2022 und 2024 nicht vollständig erbracht wurden. Aus Sicht der OMV bedeutete das grundlegende Vertragsverletzungen, die zur Kündigung führten. [Anmerkung HTH: eine unverantwortliche Maßnahme zum Schaden der österreichischen Bevölkerung, die in Wahrheit die Sicht, nein die Kurzsichtigkeit der Regierung wiederspiegelt, die vom OMV-Management gehorsamst exekutiert wurde!]
Ein Schiedsspruch (Schiedsgericht) hatte der OMV bereits eine Entschädigung zugesprochen, weil Gazprom vertraglich zugesagte Liefermengen nicht eingehalten hatte.
5. Rechtsliche und wirtschaftliche Folgen
Die OMV verklagte Gazprom wegen «unzureichender Lieferungen» und erhielt mehrfach Schadenersatz-Urteile.
Gazprom setzte Lieferstopps in Zusammenhang mit ausstehenden Zahlungen und Vertragsstreitigkeiten, was letztlich auch zu einer frühzeitigen Beendigung des Vertrags führte.
Fazit – Vertragsinhalte auf einen Blick: Vertragsbestandteil Bekannte bzw. berichtete Regelung
Laufzeit: 2006 bis 2040 (mit Möglichkeit zur Verlängerung bis 2045)
Liefermengen: Ca. 6 Mrd. m³ Gas jährlich
Preisstruktur: Indexierung und Preisüberprüfungsintervalle (nicht öffentlich)
Take-or-Pay: Entgeltpflicht auch bei Nicht-Abnahme unter bestimmten Bedingungen
Lieferbedingungen: Lieferung an Grenze Österreich-Slowakei, vertragliche Lieferpflichten
Vertragsbruch / Streit Gazprom-Lieferausfälle führten zu Schiedsverfahren und Kündigung

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EU-Gasimporte: Chronologie laut ChatGPT

Die Europäische Union (EU) hat Gasimporte aus Russland bislang nicht vollständig sofort sanktioniert, sondern in den letzten Jahren schrittweise Rechtsgrundlagen geschaffen, um sie zu verbieten – als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit Februar 2022.

Entwicklung der Sanktionen gegen russische Gasimporte
Bis vor kurzem (2022 – 2024)
Nach dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 begann die EU, ihre Abhängigkeit von russischem Gas massiv zu reduzieren. Dies geschah vor allem durch Marktveränderungen und Vertragsausläufe, nicht durch ein allgemeines EU-Sanktionsverbot gegen Gasimporte. Viele Pipeline-Lieferungen, etwa durch Nord Stream und via Ukraine, wurden von Russland oder Transitstaaten eingestellt oder fielen aufgrund geopolitischer Entwicklungen weg.
2025 – 2026: Rechtlicher Beschluss zum Importstopp
17. Juni 2025 legte die Europäische Kommission einen Vorschlag für ein Gesetz zur schrittweisen Beendigung russischer Gasimporte vor.
3. Dezember 2025 erreichten EU-Rat und Europäisches Parlament eine politische Einigung über einen verbindlichen Zeitplan, den Import von russischem Gas und LNG rechtlich zu verbieten.
26. Januar 2026 wurde die entsprechende Verordnung (Teil des sogenannten REPowerEU-Pakets) offiziell angenommen und Ende Februar 2026 im Amtsblatt der EU veröffentlicht – damit ist die Sanktion gegen Gasimporte rechtlich verankert.
Zeitplan des Verbots
Die neuen Vorschriften sehen eine gestaffelte Umsetzung vor, nicht ein sofortiges, einheitliches Sanktionsverbot:
Kurzfristige Gas- und LNG-Verträge: werden bereits ab Frühjahr 2026 verboten, sobald die Verordnung in Kraft ist.
Kurzfristige Liquefied Natural Gas (LNG)-Importe: ab 25. April 2026 verboten.
Kurzfristige Pipeline-Gasimporte: ab 17. Juni 2026 verboten.
LNG-Importe aus langfristigen Verträgen: ab 1. Januar 2027.
Pipeline-Gas aus langfristigen Verträgen: bis 30. September 2027 bzw. 1. November 2027, abhängig von Gaslagerfüllständen.
Fazit: Ein allgemeines EU-Sanktionsverbot für russische Gasimporte wurde rechtlich erst Anfang 2026 verabschiedet und führt schrittweise ab 2026 bis spätestens Ende 2027 zum vollständigen Importstopp.

ERGÄNZUNG 2. Februar 2026 (Quelle ORF.at)

Ungarn klagt gegen Gasimportverbot aus Russland
Ungarn hat eine Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg gegen den von der EU beschlossenen Importstopp für Erdgas aus Russland eingebracht. Das teilte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto heute auf X mit, kurz nachdem die entsprechende Verordnung im Amtsblatt der EU erschienen war. Auch die Slowakei hat eine Klage angekündigt.

Welche Maßnahmen hat die österreichische Regierung gesetzt, um die Gaslieferverträge mit Russland zu ändern?

Die österreichische Bundesregierung hat in den letzten Jahren mehrere Maßnahmen und Schritte unternommen bzw. angekündigt, um die Gaslieferverträge mit Russland zu ändern oder die Abhängigkeit davon zu reduzieren. Dies geschieht vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, der energiepolitische Risiken und Vertrauensfragen aufgeworfen hat. Hier die wichtigsten Entwicklungen und Maßnahmen:
1. Beendigung der langfristigen Lieferverträge
Die OMV, an der der Staat Österreich beteiligt ist, hat im Dezember 2024 ihren langfristigen Erdgasliefervertrag mit Gazprom Export mit sofortiger Wirkung gekündigt, nachdem Gazprom wiederholt Lieferbedingungen nicht eingehalten hatte.
Dieser Vertrag hätte ursprünglich bis 2040 laufen sollen – Österreich hat sich damit faktisch vom direkten vertraglichen Bezug von russischem Pipeline-Gas gelöst.
2. Strategische Vorbereitung auf Lieferstopp
Russland hatte im November 2024 die Lieferungen an OMV eingestellt. Österreich stellte daraufhin klar, dass es ohne russisches Gas auskommt, etwa durch volle Gasspeicher und alternative Bezugsquellen.
Ab Anfang 2025 bezieht Österreich nach offiziellen Angaben kein russisches Gas mehr direkt.
3. Diversifizierung der Gasversorgung
Die Bundesregierung hat Maßnahmen zur Diversifizierung und Unabhängigkeit von russischem Gas beschlossen, z. B. den Ausbau der Gaspipeline-Infrastruktur (etwa Ausbau der West-Austria-Gasleitung, „WAG-Loop“) zur Erhöhung der Importkapazität aus anderen Quellen.
Gleichzeitig wurden verstärkt Lieferverträge mit anderen Produzenten (z. B. Norwegen) und LNG-Importmöglichkeiten gesucht bzw. genutzt.
4. Interne politische Strategien
Das Klimaministerium (unter Leonore Gewessler) hat bereits 2024 darauf hingewiesen, dass österreichische Energieunternehmen konkrete Schritte zur Reduktion des Anteils russischen Gases unternehmen sollen und die Rechtsgrundlagen für ein solches Vorgehen geprüft werden.
5. Rolle auf EU-Ebene
Österreich hat sich gemeinsam mit anderen Ländern dafür eingesetzt, dass die Europäische Kommission bei den Regeln über das Verbot bzw. den Ausstieg aus russischem Gas eine Überprüfungsklausel einbaut, die die EU-Regelungen nach zwei Jahren evaluiert.
Gleichzeitig plädierte Wien dazu, dass die EU nach einem möglichen Friedensschluss mit Russland die Möglichkeit behalten soll, russisches Gas wieder zu importieren – was auf Kritik stieß, da die EU insgesamt an einem vollständigen Ausstieg arbeitet.
Zusammengefasst: Ziel - Maßnahme
Reduzierung der Abhängigkeit - Kündigung langfristiger Gazprom-Liefervertrag
Verbesserung der Versorgungssicherheit - Ausbau alternativer Pipeline-Routen und LNG-Bezug
Politische Rahmenbedingungen - Nationale Vorgaben für Diversifizierung, EU-Koordination
Übergangsregelungen Strategische Reserven und Speicherfüllungen
Insgesamt hat Österreich also nicht nur politisch und regulatorisch gehandelt, sondern vor allem operativ durch die Beendigung des Gazprom-Vertrags und die Sicherstellung alternativer Gaslieferungen einen deutlichen Schritt zur Änderung seiner Energiebeziehungen zu Russland gemacht.

Warum sind Österreichs Erdgas Importkosten 2021 von 2 Milliarden auf 4,1 Milliarden und 2023 auf 9 Milliarden Euro gestiegen?

Die starken Steigerungen der Erdgas-Importkosten Österreichs von 2021 über 2022 bis 2023 lassen sich vor allem mit massiven Preisänderungen auf dem internationalen Gasmarkt und geopolitischen Entwicklungen erklären — nicht in erster Linie mit einer drastischen Zunahme der importierten Gasmenge. Kurz gesagt: Österreich hat für weniger oder gleich viel Gas deutlich mehr bezahlt, weil der Preis pro Energieeinheit extrem gestiegen ist.
Hier die wichtigsten Gründe im Überblick:
1. Globale und europäische Energiepreiskrise (2021–2023)
Bereits 2021 begann ein weltweiter Anstieg der Erdgas-Großhandelspreise – diese stiegen für Europa deutlich stärker als andere Rohstoffe, da nach der COVID-19-Pandemie die Nachfrage stark zulegte, während Liefermengen knapp waren. Russland reduzierte seine Lieferungen über wichtige Pipelines (etwa durch die Ukraine), was den europäischen Großhandelspreis stark nach oben trieb.
Diese Preissteigerungen setzten sich über 2022 und 2023 fort, weil …
- der russische Krieg gegen die Ukraine Unsicherheit auf dem Markt erzeugte,
- Versorgung über Russlands Pipeline-Netz reduziert oder unsicher wurde,
- Europa mehr teure LNG-Importe aus anderen Regionen beschaffte.
Das führte dazu, dass der Preis pro Einheit Erdgas mehrere Male höher war als vor der Krise, auch wenn Österreich teilweise weniger Gas insgesamt bezog.
2. Preis statt Menge entscheidet die Importkosten
Importkosten = Preis × Menge. In den Jahren 2021–2023 hat sich vor allem der Preis pro Kilowattstunde Erdgas vervielfacht, nicht unbedingt die Menge.
In Österreich und der EU stiegen die Gaspreise 2021 dramatisch, weil Russland Liefermengen drosselte und politische Unsicherheit schürte, was zu einem sprunghaften Anstieg führte.
Auch wenn 2023 die Preise von den extremen Hochs der Vorjahre etwas zurückgingen, lagen sie weiterhin auf einem viel höheren Niveau als vor der Krise. Das erklärt, warum Österreich im Jahr 2023 trotz tatsächlicher Reduktion oder ähnlicher Menge eine deutlich höhere Rechnung hatte als 2021.

3. Geopolitische Umwälzungen und Lieferketten-Effekte
Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs verstärkten die Energiekrise:
- Sanktionen, politische Spannungen und Lieferunterbrechungen sorgten für eine Neuordnung des Gasmarktes in Europa.
- Europäische Länder suchten verstärkt Alternativen zu russischem Gas, z. B. teureres LNG oder Gas aus anderen Quellen, was die Preise weiter erhöhte.
- Durch diese Umstellungen wurden auch Handelskosten, Transport und kurzfristige Beschaffung teurer.
- Daher floss mehr Geld für jeden importierten Kubikmeter Erdgas, auch wenn die physische Menge nicht stark gewachsen ist.
Beispielhafte Zahlen (Erklärender Kontext)
2021: Österreich bezahlte rund 4 Mrd. € für Gasimporte, was wegen bereits steigender Preise mehr als doppelt so viel wie 2020 war.
2022 und 2023: Durch fortgesetzte Preissteigerungen am Großhandelsmarkt, die vor allem durch geopolitische Unsicherheiten und reduzierte Versorgung ausgelöst wurden, stiegen die Importkosten weiter auf etwa 9 Mrd. € oder mehr.

Fazit
Der Kerngrund für den Anstieg der Erdgas-Importkosten in Österreich von etwa 2 → 4,1 → 9 Mrd. € ist nicht primär die Menge des importierten Gases, sondern der dramatische Anstieg der Preise auf dem Gasmarkt zwischen 2021 und 2023, ausgelöst durch:
- Versorgungsengpässe und reduzierte russische Pipeline-Lieferungen
-Marktunsicherheit durch Krieg und geopolitische Risiken
-Teurere Alternativen und Beschaffungssituationen
-Globale Nachfrage- und Angebotsverschiebungen
Diese Faktoren führten dazu, dass Österreich für jeden Kubikmeter Gas viel mehr bezahlen musste als in früheren Jahren – und daher die Importkosten ungeachtet der Gasmenge stark angestiegen sind.

Tags: Steuergeldverschwendung, Gaslieferung, Gasimport, LNG, Natural Gas