Kohout Pavel: Ende der Großen Ferien

Pavel Kohout Cover

Dieser Roman entstand mit Unterbrechungen von 1984 bis 1990 und ist 1990 im Verlag Knaus, München, erschienen.

VORBEMERKUNG: Als Gymnasiast las ich zahlreiche Bücher osteuropäischer Dissidenten, darunter auch Pavel Kohout. 1977 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (Milan Kundera erhielt diesen zehn Jahre später). In meinem letzten Schuljahr (1980/81) hielt ich ein Referat über „Die Henkerin“, Kohouts satirische Kritik an totalitären Regimen. Danach kam ich auf die Idee, den Autor, der damals als Emigrant in Wien lebte, zu einer Lesung an „mein“ Gymnasium einzuladen. Direktor und Deutschlehrer gaben grünes Licht. So durfte ich in der Portierloge der Schule mit dem Unterrichtsministerium telefonieren, wo ich Kontaktdaten und eine Zusage für die Finanzierung der Lesung bekam. Am 26. März 1981, nach der Lesung, widmete mir Kohout sein Buch „Aus dem Tagebuch eines Konterrevolutionärs“. Niemand konnte damals ahnen, dass ich selbst einst zum Revolutionär werden sollte in einem Land, das sich harmlos „Österreich“ nennt, sich aber spätestens 2020 als DDR 4.0 entlarvte. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Hier geht es darum, dass ich 1982 – kurz nach dem großen Ansturm aus Polen – meinen Zivildienst im Flüchtlingslager Traiskirchen absolvierte und dasselbe auch neun Monate lang bewohnte (privilegiert in einem Einzelzimmer). 1983 spielt der Roman „Ende der großen Ferien“. Das „Zentrallager“ fungiert hier als Drehscheibe jener Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei, deren Schicksal Pavel Kohout im vorliegenden Werk verdichtet hat. Erschienen ist der Roman erst im Jahr 1990, im selben Jahr wie Milan Kunderas „Die Unsterblichkeit“. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es darum, dass wir  im Jahr Eins nach der Ostöffnung ausgerechnet in Moskau zwei tschechische Austauschstudentinnen kennenlernten, welche wir in den Sommerferien in Prag besuchten. Mein Reisebegleiter und Freund – während des Studienjahres mein Vorgesetzter am Germanistik-Institut des Moskauer INJAZ – hatte die spontane Idee, sein Handgepäck in einem Schließfach am Prager Hauptbahnhof zu deponieren. Seinen Geistesblitz, auch den Reisepass am Bahnhof zurückzulassen, konnte ich ihm rechtzeitig ausreden. Von seinem Gepäck war der Professor auf der Weiterreise nach Wien befreit. Ohne ironische Zwischentöne bezeichnete er sich gern als „Leuchte“ seines Faches. „Besser Leuchte als Armleuchter“, erwiderte ich. Die Freundschaft dauerte bis zum Ende meines Lehrauftrages und endete dann abrupt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es darum, dass ich während meiner ersten Großen Ferien von Moskau, wo ich bis 1994 an der Linguistik-Universität unterrichtete, in einer Wiener Buchhandlung das „Ende der Großen Ferien“ erworben habe. Danach ist es auf meinem Buchregal verstaubt, denn „Das Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama, 1989) hatte mich mitten im Zentrum der Ereignisse erfasst. Für Geschichten aus der „Provinz“ (das ist aus Sicht eines Moskauers jeder Ort außerhalb des Moskauer Autobahnrings) hatte ich zwar weiterhin Interesse, aber keine Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Beim ersten Maturatreffen nach fünf Jahren in Moskau, konnte ich mit der kürzesten Autobiografie aller Kommilitonen aufwarten. „Zu den Feierlichkeiten der Oktoberrevolution im November 1989 kam ich nach Moskau. Danach ist der Kommunismus zusammengebrochen.“ Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es darum, dass ich Anfang 2026 endlich meinen Pavel Kohout entstaubte und bei der Gelegenheit auch gleich auf dem Schreibtisch liegen ließ. Denn für dieses Jahr hab ich mir vorgenommen, lieber gute Bücher zu lesen, als verblödete und verblödende Medien. Und es hat sich gelohnt, wie ich nach der Lektüre vom „Ende der Großen Ferien“ erfreut feststellen durfte.

DER ROMAN hat keine Helden, sondern nur Verlierer. Jede Figur des Romans verliert über verschiedene Wege ihre Heimat, damals bekannt als Tschechoslowakei: Die Familie des Zahnarztes aus Bratislava (Vater, Mutter, minderjährige Tochter und vorpubertärer Sohn), der berühmte Schauspieler mit seiner tadellosen Frau und seinem schüchternen Sohn aus Prag, vier Touristen aus Mähren, die eine Busreise zum Absprung nutzen, ein Grenzsoldat („der Korporal“) und ein Glasspezialist („der Alchimist“). Unter diesen „zufällig zusammengescharten Menschen“ finden sich keine Statisten; jede Person hat ihren eigenen, ausgeprägten Charakter, den der Autor nicht Schablonenhaft umreißt, sondern mit Leben füllt. So wird jede Figur literarisch betrachtet zu einem Hauptdarsteller – nicht nur der berühmte Schauspieler!

Kohout spielt in dem Roman alle seine Stärken aus: er zieht mehrere Fäden, spannt und verknotet diese geschickt, ohne jemals in der Spannung nachzulassen. Aus allen Dialogen spricht die Routine des Dramatikers. Lebenserfahrung hört und fühlt man in den inneren Monologen, ebenso wie in der Anbahnung von Liebesszenen und ihren Höhepunkten.

Stilistisch balanciert Kohout zwischen Thriller (der geniale Glasspezialist nutzt einen Geschäftsabschluss in Wien zum Absprung, gewinnt scheinbar Freiheit und Reichtum, verstrickt sich jedoch in den Machenschaften von Wirtschaftsspionen), Schelmenroman (ein Koch und Zauberer serviert seinen Fluchtfreunden aus dem Bus abenteuerliche, oft haarsträubende Tricks), romantischer Liebesroman (Pianistin, die in der Heimat Auftrittsverbot bekam, bringt einen schüchternen Gärtner zum Erblühen), Entwicklungsroman (der egomanische Schauspieler, dessen kleiner Sohn auf der Flucht stirbt, und dessen Frau, die ihre Opferrolle nach diesem Schock langsam ablegt und beginnt, ihr eigenes Selbst zu entdecken).

Wem das zu viel ist, der könnte das „Ende der Großen Ferien“ auch als Reigen von Liebesromanen lesen. Denn geliebt und gebumst wird zwischen Wien und Rohlau, wo eine abgewirtschaftete Flüchtlingspension für einige Monate zum Lebensmittelpunkt dieser Tschechoslowaken wird, oft aber manchen nicht oft genug. Bewusst sei hier ein Nationalbegriff verwendet, den die Bewohner dieses Staates selbst nie benutzen. Natürlich schreibt auch Kohout ausschließlich über Tschechen (allenfalls Böhmen) und Slowaken.

Die Sprache des Autors ist für heutige Verhältnisse verschachtelt: „Sie [Unterzeichnerin der Charta77, die getrennt von ihrem Ehemann in der Pension lebt] hat ihm [dem geflüchteten Grenzsoldaten] auch den Nachmittag gewidmet, und er staunte unentwegt: Sie nahm unauffällige Steine in die Hand, die er immer am Weg höchstens gekickt hat, wenn sie nicht flach genug waren, um übers Wasser wegzuhüpfen, und bestimmte nicht nur ihr Alter, sondern auch die Art ihres Entstehens. Rohlau [in der wirklichen Welt vielleicht das Dorf Rothe-Au im Traisental], die Talebene und auch der bläuliche Schimmer der Gebirge, alles zerfloß ihm in einer feurigen Masse, die im Orkan der Dünste durch Ozeane abgekühlt wurde, im höllischen Gepolter von Gletschern abgeschliffen, Millionen Jahre durch Bewuchs kultiviert und dann in einer Sekunde, die in dieser Ewigkeit die moderne Zeit darstellte, durch Absonderungen des Drecks der höchsten Zivilisation vergiftet wurde.“ (492)

Diese Assoziation, die auf das Stichwort „geologisches Entstehen“ folgt, springt wie ein flacher Stein über die Wasseroberfläche, als hätte er kein Gewicht. In Wahrheit wiegt allein dieser Satz mehr, als ganze Romane anderer Autoren. Wenn ich dabei an Peter Handke denke, ist das kein Zufall, sondern liegt daran, dass eine der beiden Tschechinnen, die ich in Moskau kennenlernte, um sie ein paar Wochen später in Prag zu besuchen, damals ihre Diplomarbeit über diesen österreichischen Autor in Arbeit hatte, weshalb sie auch nichts gegen eine kostenlose Unterkunft in Wien einzuwenden hatte. Zu Studienzwecken. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier bedaure ich lediglich die Jugend, die nur noch in Halb- und Kurzsätzen kommuniziert und keinen Satz mehr erfassen kann, der sich über mehr als drei Zeilen zieht.

Stilistisch findet sich der Abschnitt noch im flachen Gewässer. Auf die nächste Schwelle folgt ein Strudel von Autoren-Perspektive und Gedankensplittern der Geologin, die jeweils mit Satzzeichen!, die wie? wie Holzstücke im Strudel hängen bleibend den Fluss des Textes irritieren.

„Jawohl, sie ist Geologin, aber freiberuflich, zu Hause? da hat man sie natürlich auch gefeuert, nein, hier arbeitet sie noch nicht, nicht immer muß es ein blödes Regime sein, was Leute zugrunde richtet, manchmal schaffen sie es von allein! diese Bruchteile des Kalk- und Schiefergesteins, sie hob zwei weitere umherliegende Zeugen der Vergangenheit auf, haben sich im Mesozoikum gebildet, also in der zweiten geologischen Zeit.“ (492)

Weiteres Beispiel: „Du fliegst also nicht mit …“ er fand sich bestätigt, und die eigene Reaktion verwunderte ihn, er war nicht erregt, enttäuscht und vor allem nicht gekränkt, sondern versöhnt, eigentlich habe ich das die ganze Zeit erwartet, und meine naive Bedingung, mir selbst gestellt, war nur der Ausdruck einer festen Entscheidung, aus dem Marasmus herauszukommen, denk dir, meine Liebste, daß du das Licht warst.“ (771) Von der direkten Rede, über den Kommentar des Autors, bis zum inneren Monolog des Schauspielers, der wiederum in einem stummen Bekenntnis an seine verflossene Liebste endet – Realzeit und Lesezeit sind eins – dieses Gefälle würden wohl nicht viele Autoren schaffen, ohne abzusaufen.

Um die Leser, die den Romancier Kohout erst in dieser Besprechung entdeckt haben, nicht zu verschrecken, sei erwähnt, dass der Großteil der Dialoge in direkter Rede geschrieben wurde; kurzweilig und gekonnt, dass sie jederzeit in einem Drehbuch für einen Film übernommen werden könnten. (Die Verfilmung lief als Serie in sechs Teilen 1999 auf 3sat.) Der Dramatiker Kohout hat es nicht nötig, seinen Charakteren etwas in den Mund zu legen. Man hat vielmehr das Gefühl, er hat heimlich mitgeschrieben, was diese in ihrer jeweils typischen Diktion tatsächlich gesagt haben.

Schonungslos zeigt das die einzige Szene, in der der Autor selbst, anonym aber nicht unerkannt, als „Mann mit einem Dackel“ in Erscheinung tritt; ausgerechnet im „Grünen Ochsen“, dem Stammlokal der Exil-Tschechen in Wien, die hier lautstark zechen: „Das Lokal betrat ein Mann mit einem Dackel und fragte den Wirt etwas, der verneinend den Kopf schüttelte. Der Ankömmling hatte ergraute Schläfen, trug dennoch Jeans und darüber eine Leinenjoppe ein wenig zu jugendlichen Schnitts. Er schaute zu dem lauten Tschechentisch hinüber und nickte kurz. Tonos Nachbar und die Fledermaus erwiderten den Gruß und gerieten, sobald Mann und Hund verschwunden waren, unter wütenden Beschuß.

‚Spinnt ihr?‘ empörte sich das Rothaar, ‚was grüßt ihr ihn?‘

‚Er hat zuerst gegrüßt, Fernet‘, verwahrte sich der Schweigsame.

‚Und wenn der sich zu Tode grüßte, scheiß auf ihn!‘

‚Er ist auch ein Chartist‘, wandte die Fledermaus ein.

‚Er ist eine Bolschwistenhure!‘ verurteilte ihn ein ganz Langer mit holländischem Vollbart.

‚Längst ausgeschlossen!‘

‚Sich den Bolschewisten zu verschreiben ist wie Radeln lernen, du verlernst es nie mehr, sobald du ein Fahrrad hast, trittst du wieder!‘

‚Er hat doch eine prächtige Frau‘, versuchte es die Fledermaus anders, ‚bei einem Schuft würde die nicht bleiben…‘

‚So bums sie doch, aber grüß ihn nicht! An seinen Händen klebt Blut!’“ (624) usw.

Die Verbalinjurien werden noch heftiger und enden in einer Schlägerei. Diese Darstellung ist kein verspäteter Racheakt des Dichters an seinen ehemaligen Feinden im eigenen Lager; eingeflochten in diese Szene ist vielmehr eine attische Tragödie: Todessehnsucht und Selbstmord eines endgültigen Verlierers, dem Amerika das Asyl verweigert hat.

Man darf in einer Buchbesprechung nicht zu viel verraten, doch bei aller Menschenliebe des Autors, der Stärken und Schwächen der einzelnen Persönlichkeiten einfühlsam darstellt, oft auch ironisch reflektiert, aber nie sarkastisch diffamiert, hat man am Ende das Gefühl, dass Kohout sich und seinen Figuren kein Happy End vergönnt hat. Das mindert die Qualität des Buches nicht, ganz im Gegenteil.

Zu guter Letzt darf hier mein Lieblingstippfehler nicht fehlen: Die „Mordendämmerung“ (635) passend zum „Untergang des Abendlandes“. Aber das ist jetzt wirklich eine andere Geschichte!

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Bonelli Raphael: Kopflos

+ Wie Denken funktioniert.

+ Warum wir es verlernt haben.

+ Wie wir es zurückgewinnen.

edition a, 13. April 2026

Verlagsinformation: Die Welt ist von nahezu pathologischer Irrationalität und Hysterie gezeichnet. In der Politik, in den Medien und im Internet haben Gefühlsausbrüche und Schnellschussreaktionen fundierte und sachliche Diskussionen abgelöst. Warum ist das so? Welche Auswirkungen hat das auf unser Leben? Und wie lässt sich das ändern? Dr. Bonellis große neurowissenschaftliche Psychoanalyse einer hysterischen Gesellschaft.

SIEHE AUCH: Philosophische Praxis

Nach seinen Spiegel-Bestsellern „Bauchgefühle“, „Die Weisheit des Herzens“ und „Tabu“ befasst sich der Neurowissenschaftler Raphael M. Bonelli mit Bewusstsein und Kognition und zeigt, wie wir wieder bessere Entscheidungen treffen können, im Beruf, in Beziehungen und im öffentlichen Leben.

Der Autor über sein neuestes Buch: „Kopflos ist für mich mein aktuellstes und gleichzeitig ein zeitloses Buch. Aktuell, weil es die Denkstörungen unserer Zeit analysiert. Von Corona bis Wokeness: die absurden Entwicklungen der letzten Jahre werden hier psychiatrisch durchleuchtet. Man versteht plötzlich, wie so etwas überhaupt möglich werden konnte. Zeitlos, weil verdrehtes Denken immer wiederkehrt. Die Ideologien des 20. Jahrhunderts haben das auf tragische Weise bewiesen. Und das Buch bleibt nicht bei der Diagnose. Es zeigt auch, wie gestörtes Denken geheilt werden kann.“

Auszug aus dem Buch: „Aristoteles entdeckt verschiedene Ordnungskräfte des Denkens, die Thanatos in Schach halten. Sie entwirren verworrenes Denken, entlarven Denkfehler und stellen die verlorene Denkordnung wieder her. Man könnte sagen, sie haben kognitive Heilkraft. Er nennt sie die fünf dianoetischen Tugenden. Der Philosoph verwendet das Wort »Tugenden«, weil diese Qualitäten durch Einüben erlernbar sind (im Gegensatz zur genetischen Intelligenz), und weil sie – richtig angewandt – geistig frei machen. Das Wort »dianoetisch« wiederum kommt von dianoia, wörtlich durch-denken, also das verstandesmäßige Durchdringen einer Sache oder diskursives Denken. Die wortverwandte – und weitaus bekanntere – »Paranoia« hingegen bedeutet abweichend oder daneben zu denken. Diese dianoetische Fünfergruppe stellt also die Heilkräfte des Denkens dar, die verwirrtes Denken ordnen und so Thanatos zurückdrängen.“

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Luczak Andreas: Deutschlands Energiewende

KleinWasserkraftwerk seit 1904

Teil 1

(7. April 2026) Der Untertitel „Fakten, Mythen und Irrsinn“, kommt für ein Springer-Sachbuch, das 2024 erschienen ist, ziemlich reißerisch daher, doch viele Beispiele scheinen den Untertitel zu rechtfertigen:

„Ohne den Atomausstieg wäre der Kohleausstieg in Deutschland bereits 2023 erreicht worden.“ (39) „Zwischen 2007 und 2023 sind etwa 133 TWh klimaneutraler Atomstrom weggefallen. … Etwa drei Viertel des Ausbaus erneuerbarer Energien diente also allein dazu, zu verhindern, dass der wegfallende Atomstrom durch fossilen Strom ersetzt wird.“ (46)

 

Foto: Kleinwasserkraftwerk seit 1904

„Der Weg zur Klimaneutralität besteht bislang vor allem aus einem klimapolitischen Sammelsurium aus Subventionen und Ordnungsrecht (Grenzwerte, Quoten, Verbote, Zwangsstilllegungen von Kraftwerken etc.). Die Erfolgsbilanz dieser Klimaschutzinstrumente, die Deutschland und die EU bislang verabschiedet haben, ‚ist bestenfalls ernüchternd – das Attribut desolat wäre ehrlicher‘.“ (S. 51, das Zitat stammt von Eric Heymann).

„Das Verbot bestimmter Produkte (Stichwort Glühbirne), aber auch die bisherigen Energiesteuern haben bislang im Vergleich zu den Kosten sehr wenig gebracht.“ (52)

Luczak kritisiert den „ökonomischen Irrsinn des Kohleausstiegsgesetzes“ (123), den „teuren und klimaschädlichen Irrweg mit Biosprit und Biogasanlagen“ (65), und nicht zuletzt „die jahrzehntelange milliardenteure Erblast der temporären Überförderung der Solarenergie“ (57). Dazu kommt aktuell die Förderung von Batteriespeichern bei privaten Solaranlagen – „ein weiteres typisches Beispiel dafür, wie mangelnde Sachkenntnis der Politik dazu führt, dass eine bestimmte Industrie es mit dem Argument Klimaschutz schafft, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern, obwohl damit sogar eine Erhöhung der Emissionen verbunden ist.“ (103)

„Der Strombedarf für ein klimaneutrales Energiesystem wird sich im Vergleich zu den jetzigen etwa 500 TWh mindestens auf 1000 TWh verdoppeln, da die Sektoren Wärme und Mobilität elektrifizieren müssen.“ (65)

Versuche, klimaneutralen Wasserstoff zu produzieren, um für Kosten von 300 Euro eine Tonne CO2 einzusparen, ist ein „irrationaler Hype“, während simple Vermeidungskosten bei 50 Euro pro Tonne liegen würden (gemessen am Preis für CO2-Emissionszertifikate, S 99). „Da ist es zumindest tröstlich, dass die Strategie der Bundesregierung in der Realität bislang so gut wie gar nicht umgesetzt wurde. Von den bis 2030 geforderten 5 GW Elektrolysekapazität sind in den Jahren 2020 bis 2023 in Summe kaum mehr als zwei Prozent (0,12 GW) gebaut worden.“ (102)

„Die Leistung der Wind- und Solaranlagen schwankt sehr stark abhängig von den Wind- und Lichtverhältnissen. Die Durchschnittsleistung von Solaranlagen liegt etwa bei 10% und die von Windanlagen etwa bei 25% der unter optimalen Bedingungen möglichen Leistung. Deshalb ist die installierte und damit maximal zu übertragende Leistung von Solar- und Windanlagen um ein Vielfaches höher als bei fossilen Grundlast-Kraftwerken, deren Durchschnittsleistung nahe der maximalen Leistung liegt.“ (142)

Ein ganzes Kapitel widmet der Autor der Frage „Elektroautos: Heilsbringer oder Sackgasse“. Hier in aller Kürze: 1. nein, 2. ja.

Mit diesen Beispielen bestätigt Andreas Luczak scheinbar die Ansichten der „Klimaleugner“. Würde die Rezension an der Stelle enden, wäre sie schwer tendenziös; sie würde weder den Gesamt-Inhalt des Buches, noch die Intention des Autors richtig wiedergeben. Luczak macht einleitend klar, dass er auf der Seite der „Klimagläubigen“ steht. So beginnt das Buch unter 1.1 mit seinem Glaubensbekenntnis, das er als „Kernaussagen der Wissenschaft“ bezeichnet:

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