Ein Stadtspaziergang am letzten Maientag 2026. Mir bricht das Herz. Ich komme mit dem Zug am Hauptbahnhof Graz an und will meine Landeshauptstadt an diesem Sonntag erbummeln. Kaum betrete ich die Bahnhofshalle, schlägt mir der Duft dehydrierter Seelen entgegen. Ich wundere mich, da sehe ich sie schon: Menschliche Wesen, gedemütigt vom Leben; arbeitslos, obdachlos, würdelos. Sie sitzen am Bahnhofsgelände wartend innen und außen, Männer wie Frauen. Einer steht auf, geht auf mich zu und fragt um 50 Cent. Ich habe mehrere dieser Münzen bei mir, wegen der Benützung von öffentlichen WC-Anlagen. Ich gebe, denn heute werde ich das neue WC am Bahnhof Graz nicht benützen.
Das Pissoir befindet sich in der Auslage. Jeder Bahnhofsgast kann mir beim Urinieren zuschauen. Das ist mir unangenehm, wähne mich in meiner Würde verletzt. Der Sinn dieser öffentlichen Zur-Schaustellung erschließt sich mir nicht. Ich betrete den Europaplatz und sehe sie direkt vor mir: die Grenzlinie. Sie trennt den ÖBB-Besitz vom Gemeindebesitz. Bis gestern (30. Mai) wusste ich nicht, dass falsches Gehen, Sitzen und Liegen auf der einen Seite (ÖBB) ‚Herumlungern‘ ist und ich des Platzes verwiesen werden kann, während auf der anderen Seite (Stadt Graz) dies durchaus erlaubt, wenn nicht sogar zu Erholungszwecken erwünscht ist. Ich sinniere, da steht eine verwahrloste junge Frau vor mir, trägt ihre letzten Habseligkeiten in einer großen Tasche mit sich. Mir bricht das Herz.
7. Mai 2026 - Der Österreich-Pavillion auf der Biennale Venedig hat noch vor der offiziellen Eröffnung am 9. Mai für Aufregung gesorgt. Zumindest in Österreich. Vielleicht ist das auch schon das Wichtigste. Um Kunst geht es auf der Kunst-Biennale schon lange nicht mehr, meinen manche, wie die folgenden Reaktionen zeigen.
nius.de (6.5.2026) - „25 Performerinnen, allesamt splitterfasernackt, sollen sich bis zum Ende der Biennale am 22. November täglich in der Wasserwelt aufhalten – und dabei unter anderem im Urin planschen. Für die Installationen, darunter auch Pipi-Pools, wird auch der Harn der Besucher in Toilettentanks gesammelt und anschließend den Becken zugeführt – allerdings in geklärter Form.“
HINTERGRUND: Ein 6-Minuten-Interview mit der Künstlerin auf "Willkommen Österreich" sagt mehr, als 1.000 Kunstkritiken. Ratlosigkeit von Grisse-Stermann gewürzt und gesülzt von Florentina Holzinger.
https://www.youtube.com/watch?v=ch2mu2a7WTg
Nachrichten@NewsFokus via X.com May 6 - Österreich präsentiert auf der Kunstbiennale in Venedig, Italien, den provokanten Pavillon Seaworld Venice. Die Künstlerin Florentina Holzinger inszeniert dort eine dystopische Vision einer versinkenden Welt. Ein Jet-Ski und Darsteller in einer Kläranlage kritisieren den modernen Massentourismus.
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