Kollektivschuld und Vergangenheits-Bewältigung
Beiträge von Václav Havel und Rudolf Burger
Am 15. März 1990 besuchte Deutschlands Bundespräsident Richard von Weizsäcker seinen Amtskollegen in Prag. Václav Havel erinnerte aus diesem Anlass an den Einmarsch der Deutschen am 15.3.1939, als „ein Wahnsinniger in Stiefeln […] in diese Burg eindrang, um der Welt zu verkünden, daß Gewalt über Freiheit und Menschenwürde siegt. Er drang hier ein als Bote des Krieges. Als Bote der Grobheit. Als Bote der Lüge. Als Bote des Stolzes und des Bösen, des Unrechts und der Grausamkeit.“ (S. 42)
Bild: Igor Leontjew, Öl auf Leinwand
„Heute, da wir am Anfang unseres zweiten Versuches der Demokratie stehen und da wir uns das ins Gedächtnis rufen, was vor einundfünfzig Jahren geschehen ist, begrüßen wir auf dieser Burg einen anderen Gast. Nämlich einen Vertreter der deutschen Demokratie. Einen Boten des Friedens. Einen Boten des Anstands. Einen Boten der Wahrheit. Einen Boten der Menschlichkeit. Einen Verkünder der Botschaft, daß Gewalt nie mehr über Freiheit siegen darf, Lüge nicht über Wahrheit und das Böse nicht über das menschliche Leben.“ (43)