Spengler Oswald: Der Untergang des Abendlandes - Widerlegung Darwins

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Widerlegung Darwins

Vorbemerkung HTH: Man wird vermutlich in den heutigen geschlossenen Wissenschaftsanstalten (anders kann man die einstmals freien Universitäten nicht bezeichnen) niemanden finden, der eine Dissertation verfasst mit dem Ziel, die Evolutionstheorie von Darwin zu widerlegen. In den USA werden die „Creationisten“ als liebenswürdige Sonderlinge behandelt, aber sicher nicht als ernst zu nehmende Gegner von Darwins Theorie. Der letzte, der immerhin noch Lücken der Evolutionstheorie bemerkt hat, war Konrad Lorenz.

"Der fortschreitende Verfall unserer Kultur ist so offensichtlich pathologischer Natur, trägt so offensichtlich die Merkmale einer Erkrankung des menschlichen Geistes, daß sich daraus die kategorische Forderung ergibt, Kultur und Geist mit der Fragestellung der medizinischen Wissenschaft zu untersuchen. [...] Die meisten unter den Geisteskrankheiten und Störungen, die den Weiterbestand unserer Kultur in Frage stellen, betreffen das ethische und das moralische Verhalten des Menschen", schreibt Lorenz in seinem „Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens“, besser bekannt unter dem Titel „Die Rückseite des Spiegels“.

Nach Darwin müssen, nach Lorenz dürfen wir voraussetzen: die Evolution dient der Arterhaltung, der Mechanismus der Arterhaltung ist die Selektion, Prinzipien der Selektion sind Zufall und Notwendigkeit (beide gleichzeitig, nicht entweder oder!). Die Evolution wirkt von den niedrigsten bis zu den höchsten Lebewesen, vom Pantoffeltierchen bis zum Menschen, mit dem immer gleichen Mechanismus auf Basis der immer gleichen Prinzipien. Die Erkenntnis des Pantoffeltierchens, dass es einem Gegenstand (Widerstand) links oder rechts ausweichen kann, unterscheidet sich von der Erkenntnis eines Menschen, dass er als Lenker eines Autos links oder rechts abbiegen kann, nur graduell, nicht prinzipiell.

Die Feststellung von Lorenz, dass beide Lebewesen über einen Wahrnehmungsapparat bzw. Erkenntnisapparat verfügen, ist allerdings keine zureichende Erklärung, dass durch Evolution aus Pantoffeltierchen nach Jahrmillionen Menschen werden. Würden sich tatsächlich nur die Lebewesen evolutionär weiter entwickeln, die sich am besten angepasst haben, warum sind dann so viele Pantoffeltierchen übrig geblieben, die immer noch ein primitives Dasein führen, wie vor Jahrmillionen?

Der Begriff der Evolution impliziert eine langsame Entwicklung, im Gegensatz zur Revolution. Lorenz erkennt aber die Entwicklungssprünge, die dieser Erklärung widersprechen und weicht daher in die Mystik aus: Wörter Entwicklung, Development, Evolution [...] versagen geradezu kläglich, wenn man versucht, dem Wesen des organischen Schöpfungsvorganges gerecht zu werden, das eben darin besteht, daß immer wieder etwas völlig Neues in Existenz tritt, etwas das vorher einfach nicht da war. [...] Theistische Philosophen und Mystiker des Mittelalters haben für den Akt einer Neuschöpfung den Ausdruck 'Fulguratio', Blitzstrahl, geprägt. Sie wollten damit zweifellos die unmittelbare Einwirkung von oben, von Gott her, zum Ausdruck bringen."

Letztlich konzediert Lozenz, „daß es uns nie gelingen kann, die Entstehung des höheren lebendigen Wesens aus seinen niedrigeren Vorfahren restlos zu erklären. Das höhere Lebewesen ist, wie vor allem Michael Polanyi betont hat, nicht auf seine einfacheren Vorfahren 'reduzierbar', und noch weniger kann das lebende System auf anorganische Materie und die in ihr sich abspielenden Vorgänge 'reduziert' werden.“ Lorenz hat sein Buch vor über 50 Jahren veröffentlicht, Oswald Spengler vor mehr als 100 Jahren; genau 1922 erschien der zweite Band „Welthistorische Perspektiven“, worin sich auch die „Widerlegung Darwins“ findet.

HIER DER WORTLAUT zitiert aus dem Projekt Gutenberg

Es kann keine bündigere Widerlegung Darwins geben als die Ergebnisse der Paläontologie. Die Versteinerungsfunde können nach einfacher Wahrscheinlichkeit nur Stichproben sein. Jedes Stück müßte also eine andere Entwicklungsstufe darstellen. Es gäbe nur »Übergänge«, keine Grenzen und also keine Arten. Statt dessen finden wir aber vollkommen feststehende und unveränderte Formen durch lange Zeiträume hin, die sich nicht etwa zweckmäßig herausgebildet haben, sondern die plötzlich und sofort in endgültiger Gestalt erscheinen, und die nicht in noch zweckmäßigere übergehen, sondern seltener werden und verschwinden, während ganz andre Formen schon wieder aufgetaucht sind. Was sich in immer größerem Formenreichtum entfaltet, sind die großen Klassen und Gattungen der Lebewesen, die von Anfang an und ohne alle Übergänge in der heutigen Gruppierung da sind. Wir sehen, wie unter den Fischen die Selachier mit ihren einfachen Formen in zahlreichen Gattungen zuerst in den Vordergrund der Geschichte treten und langsam wieder zurücktreten, während die Teleostier eine vollendetere Form des Fischtypus allmählich zur Herrschaft bringen, und dasselbe gilt von den Pflanzenformen der Farne und Schachtelhalme, die heute mit ihren letzten Arten in dem voll entwickelten Reich der Blütenpflanzen fast verschwinden. Aber dafür zweckmäßige und überhaupt sichtbare Ursachen anzunehmen, fehlt jeder wirkliche Anhalt.

[FN: Den ersten Beweis dafür, daß die Grundformen der Pflanzen- und Tierwelt sich nicht entwickeln, sondern plötzlich da sind, gab H. de Vries seit 1886 in seiner Mutationslehre. In der Sprache Goethes: Wir sehen, wie eine geprägte Form sich in den einzelnen Exemplaren entwickelt, nicht, wie sie für die ganze Gattung geprägt wird.]

Es ist ein Schicksal, welches das Leben überhaupt, den immer wachsenden Gegensatz von Pflanze und Tier, jeden einzelnen Typus, jede Gattung und Art in die Welt berief. Und mit diesem Dasein ist zugleich eine bestimmte Energie der Form gegeben, mit welcher sie sich im Fortgang der Vollendung rein behauptet oder matt und unklar wird und in viele Abarten ausweicht oder zerfällt, und damit zugleich eine Lebensdauer dieser Form, die wiederum zwar durch einen Zufall verkürzt werden kann, sonst aber zu einem natürlichen Alter und Verlöschen der Art führt.

Und was den Menschen betrifft, so zeigen die diluvialen Funde immer deutlicher, daß alle damals vorhandenen Formen den heute lebenden entsprechen und nicht die geringste Spur einer Entwicklung zu einer zweckmäßiger gebauten Rasse zeigen, und das Fehlen aller tertiären Funde deutet immer mehr darauf hin, daß die Lebensform des Menschen wie jede andre ihren Ursprung einer plötzlichen Wandlung verdankt, deren Woher, Wie und Warum ein undurchdringliches Geheimnis bleiben wird. In der Tat, gäbe es eine Evolution im englischen Sinne, so könnte es weder abgegrenzte Erdschichten noch einzelne Tierklassen geben, sondern nur eine einzige geologische Masse und ein Chaos lebender Einzelformen, die im Kampf ums Dasein übriggeblieben wären. Aber alles, was wir sehen, zwingt uns zu der Überzeugung, daß immer wieder tiefe und sehr plötzliche Änderungen im Wesen des Tier- und Pflanzendaseins vor sich gehen, die von kosmischer Art und niemals auf das Gebiet der Erdoberfläche beschränkt sind und die dem menschlichen Empfinden und Verstehen in ihren Ursachen oder überhaupt entzogen bleiben.

[FN: Damit wird auch die Annahme ungeheurer Zeiträume für die Ereignisse der menschlichen Urzeit überflüssig und man kann den Abstand der ältesten bisher bekannten Menschen vom Beginn der ägyptischen Kultur sich in einem Zeitmaß denken, dem gegenüber die 5000 Jahre historischer Kultur durchaus nicht verschwinden.]

Und ganz ebenso sehen wir, wie diese raschen und tiefen Verwandlungen in die Geschichte der großen Kulturen eingreifen, ohne daß von sichtbaren Ursachen, Einflüssen und Zwecken irgendwie die Rede sein kann. Die Entstehung des gotischen und des Pyramidenstils vollzog sich ebenso plötzlich wie die des chinesischen Imperialismus unter Schi Hoang-ti und des römischen unter Augustus, wie die des Hellenismus, des Buddhismus, des Islam, und ganz ebenso steht es mit den Ereignissen in jedem bedeutenden Einzelleben. Wer das nicht weiß, ist kein Menschenkenner, vor allem kein Kinderkenner. Jedes tätige oder betrachtende Dasein schreitet in Epochen seiner Vollendung zu, und eben solche Epochen müssen wir in der Geschichte des Sonnensystems und der Welt der Fixsterne annehmen. Der Ursprung der Erde, der Ursprung des Lebens, der Ursprung des frei beweglichen Tieres sind solche Epochen und ebendeshalb Geheimnisse, die wir als solche hinzunehmen haben. (S. 726 ff)