In Memoriam Ernst Thurnhofer

Den ewigen Frieden hat Ernst Thurnhofer, geboren am 4. Dezember 1930, nach einem langen, schaffensreichen Leben zu Fronleichnam gefunden, am 4. Juni 2026. REQUIEM und Bestattung am 12. Juni 2026

 

Requiem und Beerdigung am 12. Juni 2026

LESUNG aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher

 

Brüder und Schwestern, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.

Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind, wenn der Herr kommt, werden den Verstorbenen nichts voraushaben. Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen.

Dann werden wir immer beim Herrn sein. Tröstet also einander mit diesen Worten!

NACHRUF

Liebe Trauergäste,

danke für eure Anteilnahme!

Am 4. Juni hat unser Vater, Ernst Thurnhofer, den wir zuhause nur Tati nannten, und im christlichen Sinne ein Bruder von uns allen, seine Augen für ewig geschlossen. Der 4. Juni war nicht nur Fronleichnam, es war auch ein sonniger Tag! Das ist in diesem bislang verregneten Monat nicht selbstverständlich. Es ist ungewöhnlich, vielleicht sogar geheimnisvoll.

Welches Geheimnis? Es ist kein Geheimnis, dass Tati der Kirche nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt hat; manche könnten sogar meinen, er war gottlos. Aber er hatte seinen Gott, vielleicht sogar eine Göttin: Sunna, wie die Sonnengöttin bei den alten Germanen hieß. Ja, es war die Sonne, die ihn so lange am Leben erhalten hat. Und das ist keine Lästerung gegen unseren dreieinigen Gott; denn wer katholisch,  allumfassend denkt, wer Raum für Engel und Heilige hat, darf zumindest nicht ausschließen, dass die Kraft der Sonne mehr bewirkt, als Photosynthese und Photovoltaik.

Und ist nicht die Fronleichnams-Monstranz ein Symbol der Sonne?

Tati jedenfalls hat bereits die letzten drei Winter wie durch ein Wunder überlebt. In der dunklen Jahreszeit war er immer passiv und hat die meiste Zeit geschlafen. Mit der Sommer-Sonne kamen seine Kräfte zurück. Legendär war, wie er den Garten gejätet hat; oft stundenlang. Zuletzt hat er nur noch den Rasen gerupft. Vielleicht fanden das manche dumm – ja, er war dement, aber nicht dumm. Es war seine Form von Meditation, seine Vorbereitung auf den letzten Weg, auf den wir ihn heute begleiten.

In solchen Fällen zitiert man gern Matthäus 5,3 „Selig sind die Armen im Geiste“.

Doch besser würde Psalm 71,9 passen: „Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn meine Kraft schwindet.“

Diese Aufforderung impliziert Respekt für die Menschen, die wir nicht verlassen sollen; das ist mehr als das bloße Mitleid, das wir für die „Armen im Geiste“ haben.

In Anspielung auf „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26,41) können wir über Tati sagen: Sein Gedächtnis war schwach, aber sein Wille war stark.

Noch im September sollte er für eine Hautoperation ins LKH Graz. Alles war vorbereitet, das Auto stand bereit, aber Tati hat sich eine Stunde geweigert, mitzukommen. Er wusste und verstand nicht, dass nur Untersuchungen gemacht werden sollten, aber er wusste ganz genau, was er wollte, und was er nicht wollte. Selbstverständlich haben wir letztlich diesen Willen respektiert.

Innerlich hat er sicher gespürt, dass das Spital seine letzte Station sein würde. So ist es nun auch gekommen. Man sagt ja oft, wer im hohen Alter ins Spital kommt, der kommt nicht mehr lebend raus. Das hat einen negativen Beigeschmack, als wäre das Krankenhaus Schuld am Tod dieser Menschen. So war es in dem Fall nicht, ganz im Gegenteil.

Man muss leider auch offen sagen, dass wir in letzter Zeit häufig das Versagen von medizinischen Einrichtungen erlebt haben, aber das ist eine andere Geschichte.

Tati ist seit Jahresbeginn schon mehrfach total geschwächt mit Fieber im Bett gelegen, aber nach ein, zwei Tagen wieder aufgestanden, als wär nichts gewesen. Erst Ende Mai fanden schmerzhafter Husten und Röcheln kein Ende, so dass wir die Rettung rufen mussten und nur noch das LKH Mürzzuschlag helfen konnte. Das wurde eine Woche lang mit großem Bemühen versucht. Da keine Verbesserung eintrat, begann der Therapierückzug – so heißt das, wenn alle Behandlungen eingestellt werden und nur noch Schmerzmittel und Sauerstoffzufuhr das Leiden mildern.

Nun sollte dies keine zweite Predigt werden, deshalb noch einige Erinnerungen an das, was Tati in seinem Leben getan hat. Man definiert ja die Menschen über das, was sie tun, genauer gesagt ihren Beruf. Was bist du? „Ich bin Zimmermann“ und „ich bin Baupolier“, hätte er geantwortet. So wie am Bau üblich, oft mit Winterarbeitslosigkeit und im Frühjahr wieder bei anderen Firmen. Er war froh, dass er die letzten zehn Arbeitsjahre durchgehend in der Baufirma Kurz bei Schwager und Schwester in Tirol arbeiten konnte.

Er hat nicht nur Baustellen geleitet, er war Baumeister in einem weiteren und tieferen Sinn des Wortes. Cirka 200 Baupläne von Häusern, Garagen und anderen Wirtschaftsgebäuden hat er hinterlassen. In rund 50 Jahren mit eigenem Kopf geplant und eigenen Händen gezeichnet – natürlich nach den Wünschen der Bauwerber. So genau wie möglich, aber nicht mehr als nötig. Aus heutiger Sicht, in der Computergrafik alles beherrscht, sind das wahre Kunstwerke!

Von Spital am Semmering bis St. Lorenzen war sein Einzugsgebiet. Die meisten Pläne freilich hat er für Nachbarn und Freunde der nächsten Umgebung gezeichnet. Allein für das Gasthaus Schlamp rund 20 Ausbauprojekte. Mit Ironie könnte man sogar sagen: halb Schwöbing würde heute nicht existieren, hätte er es nicht geplant.

Heutige Architekten würden sich damit schmücken, aber - im christlichen Sinne der Bruder von uns allen – hat nicht einmal seinen Namen auf die Pläne gesetzt. Hinter Bauwerber und Bauführer blieb lediglich der Eintrag „Planverfasser“, der dann später von einem lizensierten Architekten nachgetragen wurde. Der – ohne Ironie - wichtigste Baumeister der Schwöbing hat immer Haltung bewiesen und durch Zurück-Haltung zum Ausdruck gebracht.

So ist es ein halbes Jahr nach dem Tod unserer Mutter naheliegend, dass wir heute nach der Beisetzung am Friedhof die Tradition fortsetzen und ALLE Trauergäste in das Haus, das Tati geplant und gemeinsam mit Mami in vierjähriger Handarbeit errichtet hat, zu Umtrunk und Zehrung einladen. Sicherlich waren Mami und Tati nicht immer ein Herz und eine Seele. Aber wenn es darauf ankam, dann haben sie harmonisch kooperiert. Und kommt es am Ende nicht genau darauf an?

Abschließend die wichtigste Frage: Was ist der Himmel von Tati? Was ist der Himmel für Tati?

Die dritte Dimension aller zweidimensionalen Baupläne, die er in seinem Leben gezeichnet hat.

Amen.